Das kommt davon
 


Als es hinter mir krachte, wunderte ich mich nicht.
Dennoch drehte ich mich um.
Er war aufgestanden, und die Tontafeln waren ihm endgültig entglitten.
Was Wunder, dass der Lärm unüberhörbar war.
Ich freilich wunderte mich nicht darüber, im Gegensatz zu den anderen Anwesenden.
Manche rannten davon, einige in Panik.
Ich nahm mir meinen kleinen Sohn vor und fuhr ihn an:
„Musstest du ihn einladen? Musstest du unbedingt ausprobieren, was ich dir vorhin erzählt habe? Wir sind hier in keiner Oper. Wir sind in einer Kirche, mein Junge!“
Er ist ein aufmerksamer Junge, mein Junge. Wir hatten uns seitlich auf die Stühle der Aufseher gesetzt. Die livrierten Herren hatten sich gerade die Beine vertreten.
„Sigmund Freud“, hatte ich doziert, „hat das recht schön dargestellt. Moses lässt gerade seinen erregt gefassten Bart fahren und versucht, die Tontafeln vor dem Absturz zu bewahren.“
„Er ist aber grässlich, dieser gehörnte Riese.“
„Keine Angst mein Junge, er ist nur eine Marmorstatue!“
Und da hatte es in meinem Hirn geklickert, und ich hatte meinem Jungen die Don-Giovanni-Geschichte erzählt, mächtig auftrumpfend und theatralisch, bis hin zu der Szene im Friedhof, in der Don Giovanni die Marmorstatue des von ihm getöteten Komturs in sein Schloss einlädt.
„Sigmund Freud“, hatte ich ausgeführt, „hätte wahrscheinlich gezeigt, dass es hier um die Auflehnung des Sohnes Wolfgang, gleich Don Giovanni, gegen seinen Vater Leopold Mozart, gleich Komtur, geht.“
Ich war aufgestanden, hatte mich dem Ausgang zugewendet und nur kurz „Also komm!“ gerufen.
Klar hatte ich erwartet, dass mein Junge folgt. Konnte ich ahnen, dass er sich vor Michelangelos Moses hinstellt und ihn in unser Hotel einlädt?
„Ich komme!“, brüllte da der Marmorriese, und mein Junge schrie begeistert:
„Er kommt!“
O Gott, das kommt davon.